Rede von Monika Griefahn MdB
anlässlich des Mittelstandsforums:
"Sehr geehrter Staatssekretär Dr.
Staffelt,
sehr geehrter Kollege Palis,
sehr geehrter Herr Kreishandwerkermeister Geselle,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
ich freue mich sehr, dass Herr
Klaus-Jürgen Geselle, Kreishandwerkermeister im Landkreis Soltau-Fallingbostel
für den heutigen Abend gewonnen werden konnte. Ihm geht der Ruf
des engagierten Streiters für den Mittelstand, besonders für das
Handwerk, voraus, der die Forderungen der Unternehmer an Politik,
Schule und Verwaltung immer sehr deutlich artikuliert.
Von ihm werden wir etwas erfahren
über die Probleme vor Ort und mögliche Ansatzpunkte, wie hier Abhilfe
geschaffen werden kann, um die örtliche Wirtschaft, die Handwerkerschaft
vor Ort zu stärken und zu unterstützen.
Handwerksbetriebe sind das Herzstück
unseres Mittelstandes. In den ländlichen Regionen zählen auch -
als ganz wichtiger Faktor die landwirtschaftlichen Betriebe und
die Tourismus Branche zum mittelständischen Bereich.
Der ländliche Raum etwa kann mit
neuen Konzepten zum Urlaub auf dem Bauernhof, Stichwort "sanfter
Tourismus" punkten. Dem Tourismus kommt als komplementärer Wirtschaftsform
immer größere Bedeutung zu. Derzeit bieten etwa 20.000 landwirtschaftliche
Betriebe Urlaub auf dem Bauernhof an. Was immer hier an strukturellen
Hilfen geleistet werden kann - etwa im Nahverkehr, beim Fahrradwegenetz
und bei den Mitnahmemöglichkeiten von Rädern in der Eisenbahn -
wir setzen uns dafür ein, dass es geschieht!
Was das Handwerk anbelangt, so ist
die Kooperation der örtlichen Bundestagsabgeordneten, der Landesregierung
und der Interessenvertreter der wichtigste Pfeiler bei der "Früherkennung"
von Problemen und der möglichst schnellen Behebung von bürokratischen
und anderen Hindernissen.
Die Niedersächsische Landesregierung
hat nicht nur einen Beauftragten für den Mittelstand eingesetzt
- Herrn Dr. Frank Peter Heidrich - sie hat gemeinsam mit der Vereinigung
der Handwerkskammern in Niedersachsen (VHN), den Unternehmens-verbänden
des Handwerks Niedersachsen und mit zahlreichen weiteren Interessen-gruppen
ein neues ganzheitliches Mittelstandskonzept erarbeitet, das sich
zum Beispiel auch mit den veränderten Anforderungen an Mittelstandspolitik-
Stichwort Globalisierung und Übergang zur Wissens- und Informationsgesellschaft
- auseinandersetzt. Es ist ganz wichtig, hier immer alle Gebiete,
nicht nur die Ballungszentren und größeren Kommunen im Auge zu behalten!
Die aktive und engagierte Arbeit der Interessenvertreter ist auch
für uns eine große Hilfe. So habe ich zum Beispiel mit Interessen
und Freude gelesen, dass die Vereinigung der Handwerkskammern in
Niedersachsen (VHN) eine Osteuropa-Agentur mit der Verantwortlichen
Aneta Holtmann gestartet hat (im Jahr 2002). Hier werden die entscheidenden
Schwerpunkte gesetzt - die bevorstehende Osterweiterung der EU als
Chance zu begreifen, nicht als Gefährdung. Noch können wir alle
gemeinsam gestaltend in diesen Prozess eingreifen - und mit besserer
Kenntnis und stärkere Wahrnehmung der Chancen können Vorbehalte
gegenüber der EU abgebaut werden.
Noch einige Worte zum Thema Bildung
- als Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien und als
Mutter von drei Kindern, ein Thema, das mich immer brennend interessiert
hat - ohne eine vernünftige Schulbildung, auch und gerade in den
Haupt- und Realschulen ist der erfolgreiche Abschluss einer Lehre,
ja auch schon das Finden einer Lehrstelle, sehr schwer. Wir müssen
unser Augenmerk verstärkt auf die Ausbildung in den ersten Jahren,
die Grundschule, richten und bei den weiterführenden Schulen die
Defiziten gerade in den Real- und Hauptschulen beheben.
Es muss unser Ziel sein, dass keine Schülerin und kein Schüler in
Deutschland die Schule ohne einen Schulabschluss und ohne solide
Ausbildung in den "Grundkulturtechniken", Lesen, Schreiben, Rechnen,
verläßt! Pisa hat gezeigt - es gibt Defizite selbst in diesen elementaren
Bereichen!
Ganz entscheidend ist es hier auch,
immer mehr Ganztagsschulangebote bereit zu stellen. Damit werden
viele Probleme zugleich angepackt - die Arbeitsmöglichkeiten für
Frauen verbessern sich und, alle Studien zeigen, Ganztagsschulen
weisen bessere Ergebnisse auf als die herkömmlichen "Teilzeitschulen",
bei der Vermittlung von Wissen, und auch bei der Förderung von sozialem
Verhalten.
Die über 3 Millionen kleinen und
mittleren Unternehmen und Selbständigen sind wichtige Leistungsträger
der deutschen Wirtschaft. Sie sind für Beschäftigung, Wirtschaftswachstum
und sozialen Fortschritt unentbehrlich und schaffen knapp 70 Prozent
der Arbeits- und rund 80 Prozent der Ausbildungsplätze. Ihre wirtschaftliche
Leistungskraft zu stärken und ihnen Entfaltungsmöglichkeiten zu
eröffnen, ist daher herausragendes Ziel sozialdemokratischer Wirtschaftspolitik.
Gerade deshalb hat auch die Steuerpolitik der Bundesregierung hier
angesetzt: Hauptgewinner der Steuerentlastung ist der Mittelstand,
der bis zum Jahr 2005 um rund 15, 8 Milliarden Euro entlastet wird.
Eine moderne Mittelstandspolitik
ist Bestandteil einer umfassenden Wirtschaftspolitik, die Innovationen
und Investitionen in Deutschland beschleunigt und die Leistungsfähigkeit
von Unternehmern und Arbeitnehmern stärkt."