Die Ministerpräsidentin Heide Simonis
war auf Einladung der örtlichen SPD-Bundestagsabgeordneten Monika
Griefahn zu Gast bei einer Talk-Veranstaltung im Landart-Hotel in
Buchholz. Rund 110 Gäste waren gekommen, um die schleswig-holsteinische
Ministerpräsidentin Heide Simonis einmal live zu erleben.
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Das Foto zeigt (v.I.nr.) Ministerpräsidentin
Heide Simonis,
Moderatorin Caroline Fetscher (Tagesspiegel,
Berlin) und
Monika Griefahn MdB
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Heide Simonis kam direkt von einem
Treffen der norddeutschen Ministerpräsidenten im Raum Lüneburg,
wo es um das aktuelle Hochwasser und die norddeutsche Zusammenarbeit
bei der Bekämpfung der Flut ging. Heide Simonis machte deutlich,
in welchem Umfang das Hab und Gut von vielen Menschen bedroht ist
und lobte in diesem Zusammenhang besonders die Arbeit der Bundeswehr
in der aktuellen Hochwasserkatastrophe. Monika Griefahn lenkte den
Blick auf die Ursachen des Hochwassers. Zum einen habe man lokal
in anderen Bundesländern den Flüssen und speziell der Elbe viel
vom Flussbett und den natürlichen Ausbreitungsmöglichkeiten (Retentionsräumen)
genommen, so dass das Wasser erheblich höher auflaufe und schneller
fließe. Zum anderen kämen nun die Folgen der Klimapolitik zum Tragen.
In den letzten 100 Jahren habe es bereits eine Erwärmung um 0,6
Grad Celsius gegeben; für die kommenden 100 Jahre rechneten einige
Wissenschaftler mit einer Erwärmung um 3 Grad Celsius. Dies habe
massive Auswirkungen auf das Klima. Es sei höchste Zeit, gegenzusteuern.
Ursache für die Erwärmung seien bekanntermaßen die Verbrennung der
fossilen Energieträger und der damit verbundene CO2-Ausstoß und
andere Treibhausgase. Die Bundesregierung habe gehandelt mit der
Förderung von regenerativen Energiequellen, von Kraft-Wärmekopplung
und der Energieeinsparung bei Wohngebäuden. In den letzten 2 Jahren
sei der CO2-Ausstoß in der Bundesrepublik erstmals leicht zurückgegangen.
Man brauche aber im internationalen Maßstab einen Durchbruch in
der Klimapolitik, und der Gipfel in Johannesburg 10 Jahre nach dem
Gipfel in Rio stünde bevor. Klimasünder seien vor allem die USA,
die sich dem Kyoto-Protokoll und internationalen Vereinbarung sperrten.
Ein weiteres wichtiges Thema war
die Erfolgsbilanz der Bundesregierung. Heide Simonis machte deutlich,
dass die Bundesregierung hier viele Erfolge vorzuweisen habe, dass
aber diese Erfolge aufgrund der psychologischen Wirkungen der Terroranschläge
vom 11. September 2001 und aufgrund des allgemeinen Trends zur Spaßgesellschaft
kaum zur Kenntnis genommen würden. Beispielhaft nannte Heide Simonis
die Verbesserungen bei den Arbeitnehmerrechten, die Steuerreform
und die Rentenreform. Es sei richtig, jetzt die 2. Stufe der Steuerreform
zu verschieben, um Hochwasserhilfe zu leisten.
Monika Griefahn nannte als Beispiele
der schnellen Reaktion der Bundesregierung die umgehend angewiesenen
Soforthilfen des Bundes für die betroffenen Städte und Gemeinden
und die Umschichtungen im Verkehrshaushalt, um zerstörte Infrastruktur
wieder aufzubauen. Monika Griefahn machte deutlich, dass Umweltschutz
Arbeitsplätze schaffe, besonders im Handwerk vor Ort (in Deutschland
bereits 1 Million Arbeitsplätze), und dass auch in den USA bei vielen
Firmen im Umweltsektor die Politik der Bush-Regierung auf Widerstand
stoße.
In den nächsten 4 Jahre komme es
darauf an, meinte Heide Simonis, vor allem den Bereich Gesundheitspolitik
anzugehen. An fehlenden Mitteln könne es nicht liegen, denn in Deutschland
werden zurzeit rund 253 Milliarden Euro pro Jahr für diesen Sektor
ausgegeben. Heide Simonis unterstützte die Position der Bundesregierung
gegen eine mögliche Irak-Intervention der USA. Dieser Fall liege
anders als die internationalen Einsätze im Kosovo und in Afghanistan,
wo es auch ein UNO-Mandat gebe und es um Wiederaufbau gehe.
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Ein weiteres wichtiges Thema der
Talk-Runde war die Familien- und Frauenpolitik. Die Bundesregierung
habe bereits viel für die Familien getan. Heide Simonis betonte,
dass es darauf ankomme, die tatsächliche Vereinbarkeit von Familie
und Beruf durch verbesserte Betreuungsangebote zu gewährleisten.
De facto hätten Frauen häufig keine Wahl, weil Betreuungsangebote
fehlten. Eine höherer Anteil der Berufstätigkeit von Frauen und
eine bessere Kinderbetreuung schließen sich nicht aus. Das gute
Abschneiden von Finnland beim PISA-Test zeige, dass man hier noch
zulegen könne. Zur Verbesserung der Familienförderung und der Schaffung
eines Familiengeldes könne man das Ehegattensplitting einschränken.
Monika Griefahn betonte ebenfalls die Wichtigkeit der verbesserten
Ganztagsbetreuung und nannte als konkrete Maßnahmen der Bundesregierung
das 4-Milliarden-Euro-Programm für Ganztagsschulen, die Verbesserungen
beim Kindergeld, verbesserte steuerliche Berücksichtigung von Kinderbetreuungskosten
und bessere Steuerfreibeträge.
Heide Simonis und Monika Griefahn
appellierten an die Gäste, am 22. September von ihrem Wahlrecht
Gebrauch zu machen und wählen zu gehen. Wahlenthaltung stärke extreme
Parteien, und das müsse verhindert werden.
Unter den Zuschauern wurden spontan
310 Euro für die Hochwasseropfer gesammelt. Der Betrag wird der
AWO übergeben. Monika Griefahn will den Betrag auf 1.000 Euro aufstocken.
Für die musikalische Umrahmung der
Veranstaltung sorgte der Buchholzer Mario Di Leo mit italienischer
Gitarrenmusik.