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Pressemitteilung 25/2002
Dienstag, 29. Oktober 2002
 
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Deutschlands bedeutendster Verleger ist tot

Monika Griefahn MdB, Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag, zum Tod von Siegfried Unseld:

"Mit Siegfried Unseld hat die Bundesrepublik Deutschland ihre bedeutendste und wichtigste Verlegerpersönlichkeit der Nachkriegszeit verloren. Er wird uns fehlen. Fünfzig Jahre lang prägte er den Suhrkamp Verlag, lebte mit und für seine Autoren, und zelebrierte eine fast schon nicht mehr zeitgemäße Kunst: die Liebe zur schöngeistigen und zur philosophischen Literatur. Unseld bewies, dass auch sehr anspruchsvolle Texte die Basis des Erfolges eines Verlags sein können. Die Liste der Autoren liest sich wie ein "who is who" der deutschen Geistesgeschichte, von Brecht und Benjamin zu Hermann Hesse, über Max Frisch bis zu Adorno, Horkheimer, Elias, Bloch, Marcuse, Luhmann und später auch Foucault, um nur einige zu nennen. Die Wirkung dieser Auswahl ist groß: keine Debatte in Wissenschaft, Philosophie und Kunst ist in Deutschland mehr denkbar, ohne die Werkausgaben, Originalausgaben und Anthologien aus dem "Haus Suhrkamp". Hervorheben möchte ich noch Unselds Engagement für deutsche Autoren jüdischen Glaubens, denen er schon früh in seinem Verlag ein Forum verschaffte.

Als Unternehmer gelang es ihm, sich dem Druck der Konzerne zu widersetzen. Neben dem Haupthaus entstanden der Deutsche Klassiker Verlag, der Insel Verlag, der Theaterverlag und, 1990, übernahm er den jüdischen Verlag. Wir wünschen seinem Nachfolger an der Verlagsspitze, Herrn Günter Berg, eine glückliche Hand. Möge die Verlagskultur von Suhrkamp erhalten bleiben!"

 
Diese Pressemitteilung finden Sie auf: www.monika-griefahn.de