Monika Griefahn MdB, Vorsitzende
des Ausschusses für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag, zum
Tod von Siegfried Unseld:
"Mit Siegfried Unseld hat die Bundesrepublik
Deutschland ihre bedeutendste und wichtigste Verlegerpersönlichkeit
der Nachkriegszeit verloren. Er wird uns fehlen. Fünfzig Jahre lang
prägte er den Suhrkamp Verlag, lebte mit und für seine Autoren,
und zelebrierte eine fast schon nicht mehr zeitgemäße Kunst: die
Liebe zur schöngeistigen und zur philosophischen Literatur. Unseld
bewies, dass auch sehr anspruchsvolle Texte die Basis des Erfolges
eines Verlags sein können. Die Liste der Autoren liest sich wie
ein "who is who" der deutschen Geistesgeschichte, von Brecht und
Benjamin zu Hermann Hesse, über Max Frisch bis zu Adorno, Horkheimer,
Elias, Bloch, Marcuse, Luhmann und später auch Foucault, um nur
einige zu nennen. Die Wirkung dieser Auswahl ist groß: keine Debatte
in Wissenschaft, Philosophie und Kunst ist in Deutschland mehr denkbar,
ohne die Werkausgaben, Originalausgaben und Anthologien aus dem
"Haus Suhrkamp". Hervorheben möchte ich noch Unselds Engagement
für deutsche Autoren jüdischen Glaubens, denen er schon früh in
seinem Verlag ein Forum verschaffte.
Als Unternehmer gelang es ihm,
sich dem Druck der Konzerne zu widersetzen. Neben dem Haupthaus
entstanden der Deutsche Klassiker Verlag, der Insel Verlag, der
Theaterverlag und, 1990, übernahm er den jüdischen Verlag. Wir wünschen
seinem Nachfolger an der Verlagsspitze, Herrn Günter Berg, eine
glückliche Hand. Möge die Verlagskultur von Suhrkamp erhalten bleiben!"