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Donnerstag, 4. Oktober 2007
 
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"It's not right, it's not wrong, it's just different"

Eva-Marleen Hecker aus Stelle verbrachte mit dem Parlamentarischen Patenschaftsprogramm (PPP) ein Jahr in den USA / Monika Griefahn war Pate
Eva-Marleen Hecker kam gut gelaunt aus Amerika zurück und zeigte Monika Griefahn Fotos aus Colorado

Nervös steige ich aus dem Flugzeug aus. In ein paar Minuten werde ich meine Gastfamilie zum ersten Mal persönlich treffen. Die nächsten zehn Monate werde ich mit diesen Leuten verbringen. Werden wir uns verstehen? Natürlich habe ich schon deren Gastfamilien-Bewerbung gesehen. Wir haben einige E-Mails geschrieben und sogar einmal telefoniert. Mary und Caven, so heißen meine Gasteltern, leben in Colorado außerhalb eines 200 Einwohner kleinen Dorfes. Sie arbeiten viel und reisen gerne. Sie züchten Connemara Ponys, das ist ihr gemeinsames Hobby. Außerdem leben bei ihnen noch fünf Hunde und eine Katze. Die beiden scheinen eigentlich ganz sympathisch zu sein.

Weiter fahre ich mit dem Flughafen-Shuttle Richtung Ausgang. So fühlt es sich also an, ganz alleine den ersten Schritt in eine neue Welt zu wagen. Ich bin gespannt. Ich freue mich auf das, was mich erwartet. Es wird schon gut werden. Ich habe ja schließlich den schlauen Spruch „It‘s not right it‘s not wrong it‘s just different.“ gelernt. Also einfach mal abwarten. Werde ich mich einfach so auf ein neues Leben einlassen können? An der Absperrung angekommen, entdecke ich dann ein kleines Schild mit meinem Namen drauf. Es erwartet mich eine ganze Gruppe. In Empfang geworden werde ich von meinen Gasteltern, meiner örtlichen Betreuerin und ihren beiden Kindern, einem Austauschschüler aus Brasilien und einem ehemaligen Austauschschüler aus Hannover. Aufgeregt begrüße ich alle und freue mich über den herzlichen Empfang. Blöderweise scheint mein Kopf von jeglichen englischen Wörtern leergefegt zu sein. Für eine gestammelte Konversation reicht es.

Als dann meine zwei großen schweren Koffer auf dem Gepäckband ankommen, machen meine Gasteltern und ich uns auf dem Weg zum „Auto“. Dieses Auto entpuppt sich als riesengroßer Pick-Up Truck mit DVD-Spieler, Navigationssystem und beheizten Sitzen. Ich staune, so ein Auto habe ich ja noch nie auf der Straße gesehen. Ich bin gespannt was mich noch erwartet.

Mein neues Zuhause ist wunderschön. Auf Anhieb verliebe ich mich in die trockene Prärie-Landschaft mit den Rocky Mountains im Hintergrund. Die Auffahrt ist ungelogen fünf Kilometer lang, und direkte Nachbarn gibt es keine. Zum nächsten Dorf fährt man 20 Minuten mit dem Auto. Es kommt mir einsam vor.

Meine Gastfamilie ist das Gegenteil von meiner Familie in Deutschland. Dort habe ich drei Geschwister und lebe in der Nähe von Hamburg. Mein Vater ist Pastor, meine Gasteltern hingegen gehen nicht zur Kirche. Meine Eltern besitzen ein Auto, meine beiden Gasteltern gleich drei. Aber schließlich mache ich dieses Austauschjahr um etwas anderes kennen zu lernen. Und das ist auch gut so.

Ich lebe mich gut ein. Von Anfang an werde ich in das Familienleben mit eingebunden. Allerdings brauche ich meine Zeit mich an mein neues Umfeld zu gewöhnen und es als Zuhause zu betrachten. Ich beobachte viel. Wird der Lebensstil meiner Gastfamilie auch zu mir passen?

In den ersten Monaten lerne ich viele neue Dinge kennen. Begeistert teste ich vieles aus. Auch die Mexikanische Küche lerne ich bei dem Mexikaner vor Ort kennen. Die Speisekarte ist verwirrend, und Mary muss mir beim Bestellen helfen. Zur Vorspeise gibt es Tortilla-Chips mit Salsa. Das Essen sieht sehr lecker aus, nur habe ich die Gefahr, in der ich mich befinde, noch nicht verstanden. Ahnungslos probiere ich ein bisschen Salsa. Im nächsten Moment stehe ich in Flammen. Diese Soße ist unbeschreiblich scharf! Ich versuche den Brand mit Eistee, der in meinem Mund zu verdampfen scheint, zu löschen.

In der Schule kriege ich die Chance auch etwas von meinem Wissen weiterzugeben. Der Musiklehrer bittet mich einem Erstklässler Klavier Unterricht zu geben. Also bringe ich Skylar, so heißt mein erster Klavierschüler, jeden Tag für ca. 15 Minuten das Spielen bei. Skylar ist sehr schlau, aber oft unkonzentriert. Das macht das ganze manchmal sehr anstrengend. Im großen und ganzen funktioniert der Unterricht aber sehr gut. Es ist ein gutes Gefühl Skylars Fortschritte zu beobachten. Ich gebe etwas weiter und siehe da, es wird freudig angenommen. Auch dieses ist eine neue Erfahrung für mich.

Mit der Zeit verstehe ich mich immer besser mit meinen Gasteltern. Ich fange an sie besser kennen zu lernen. Ich gehöre dazu. Wir unternehmen viel zusammen, auch wenn die Beiden viel arbeiten. Mary und Caven sind sehr lustige Menschen. Sie haben ihre eigene Art von Humor. Alles ist eben ein bisschen anders. Wir haben viel Spaß miteinander. Die beiden sind nun auch Teil meiner Familie.

Ich lasse mich auf meine Gasteltern und deren Kultur ein. Es ist nicht einmal sonderlich schwer. Es ist einfach nur anders. „It‘s not right it‘s not wrong it‘s just different.“ Ich lasse meinen gewohnten Alltag hinter mir. Und siehe da, es funktioniert ja. Es gibt so viele Wege im Leben, die man gehen kann. Ich habe gelernt mich dafür zu öffnen - dann klappt das schon. Unbefangen kann ich mich nun neuen Dingen nähern. Und auch andere Menschen können von mir lernen. Ich habe gelernt, dass die Welt voll von interessanten Dingen ist, wenn ich nur nicht immer auf dem gleichen Weg bleibe und auch mal ungewohnte Wege fahre. Dann wird der überflüssige Schnickschnack-Riesentruck plötzlich bequem. Die einsame Prärie wird plötzlich friedlich und erholsam. Und die viel zu scharfe Salsa beim Mexikaner hinterlässt anstatt Schweißausbrüchen und Feuer nur noch ein angenehmes Prickeln.

Mein Austauschjahr hat mir viele neue Erfahrungen gegeben. Ich bin sehr froh, dass mir dieses Jahr ermöglicht wurde. Ich möchte mich bedanken, dass ich mit dem PPP die Chance bekommen habe, ein Jahr in den USA zu erleben.