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Mittwoch, 3. November 2004
 

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Jugend & Parlament 2004:
Bericht von Claas Löppmann aus Bomlitz über interessante Tage in Berlin

In den drei Tagen vom 24. bis 26. Oktober 2004 nahm ich mit etwa dreihundert anderen Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus ganz Deutschland an dem Projekt „Jugend und Parlament“ in Berlin teil. Als wir am Nachmittag des 24. in das Paul- Löbe- Haus eingelassen wurden, wurde mir erst richtig deutlich, was mich diese Woche alles erwarten würde. Vor mir erstreckte sich ein gigantischer Saal mit interessanter Architektur. Das Paul-Löbe-Haus - zuvor nur gekannt durch die Presse und Bilder- jetzt stand ich einfach so da in diesem so beeindruckenden Gebäude. Durch eine einfache kleine Karte, die ich immer sichtbar tragen musste, wurde mir für drei Tage unbegrenzter Aufenthalt im Zentrum Deutschlands ermöglicht.

Anschließend wurde jeder in eine der vier Parteien (APD, KVP, ÖSP und LRP) eingeteilt. Nun erhielt jeder Teilnehmer ein Blatt, auf dem ein Bundestagsabgeordneter mit kurzem Lebenslauf und Daten zur Person zu finden war. Unsere Aufgabe: Diese Person sollte in der bereits genannten Zeitspanne verkörpert werden, wobei auch die jeweiligen Interessen und Erfahrungen repräsentiert werden sollten.

So war ich zum Beispiel ein 58-jähriger Einzelhandelskaufmann namens Albert Einstein, war verheiratet, hatte drei Söhne, wobei ich den Wahlkreis 044 hatte und in Celle wohnte. Da ich in die APD aufgenommen wurde, gingen wir offiziell unter Zeitdruck mit unseren Unterlagen unter dem linken Arm, die rechte Hand frei zur Begrüßung in die verschiedenen Faktionsräume, wo wir unseren Vorsitzenden und die einzelnen Ausschussmitglieder wählten. Aufgrund meines zu verkörperten Charakters nahm ich am Arbeitsausschuss teil.

Bevor ich jetzt noch detaillierter über das leckere Essen, die Ausschüsse, und sonstige Erlebnisse berichte, möchte ich diese gerne zusammenfassen. Als ich eine Woche zuvor in einem Praktikum bei dem niedersächsischen Landtagsabgeordneten Dieter Möhrmann an Ausschüssen teilnahm, war ich bereits schwer beeindruckt. Doch hier konnte ich plötzlich selbst an einem Ausschuss aktiv teilnehmen und meine Forderungen und Interessen über ein Mikrofon verkünden. Nie hätte ich mir eine so realistische Nachspielung in den Originalräumen auch nur träumen lassen. Auch das Personal war sehr kompetent und sympathisch. Außerdem waren die vier Themen (Alkopops bei Jugendlichen, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Neugestaltung der Bundeswehr sowie der Geschwindigkeitsbegrenzung für Kraftfahrzeuge) sehr geschickt gewählt und für unsere Altersgruppe genau richtig. Zu jedem dieser Themen erhielten wir Entwürfe der Gesetze sowie Änderungsanträge der unterschiedlichen Parteien.

In diesen drei Tagen setzen sich bei mir nie zuvor gekannte emotionale Gefühle frei, die ich niemals vergessen werde. Ich weiß noch genau wie ich mich fühlte, als ich das erste Mal auf einem Stuhl im Plenarsaal Platz nahm, um unter anderem Wolfgang Thierse, Dr. Norbert Lammert, Dr. Hermann Otto Solms sowie Dr. Susanne Kastner und Dr. Antje Vollmer bei ihren Reden zuzuhören. Besonders hoch stieg mein Blutdruck, als ich hinter dem Rednerpult für ein Foto Platz nahm. Diese drei Tage haben zu meiner beruflichen Entscheidung durch direkten Kontakt zu Politikern/innen und sehr viel Informationsmaterial schwerwiegend beigetragen. Es wurden übrigens sämtliche Kosten für das Projekt „Jugend & Parlament“ übernommen (Unterkunft, Verpflegung, Verkehrsmittel, usw.). Ich kann ein solches Projekt nur weiterempfehlen und hoffe, dass es noch viele weitere Jugendliche erfreuen wird. Hiermit ein ganz großes DANKE an Frau Griefahn, die mich zu diesem Projekt eingeladen hatte.