ÜBERSICHT: Wahlkreisthemen > Verkehrspolitik

Verkehrspolitik für den Landkreis Harburg
 

zur vorherigen Seite Seite 1/1

Bahnvertreter stehen Rede und Antwort

(Pressemitteilung des SPD-Unterbezirksvorstands Lkr. Harburg vom 11.4.2000)

Der SPD Unterbezirksvorstand Lkr. Harburg hat sich auf seiner jüngsten Sitzung auch mit den Planungen der Deutschen Bundesbahn im Landkreis Harburg beschäftigt.

Zu dem Thema hatte sich der SPD Unterbezirk fachkundige Referenten eingeladen: Herr Rasche von der DB Netz AG, Leiter des Bereichs Infrastruktur der Niederlassung Nord, Herr Bretthauer, ebenfalls in der Niederlassung Nord im Bereich Infrastrukturplanung tätig, und Herr Teuteberg von der DB Netz AG-Zentrale aus Frankfurt am Main. Nach einem einführenden Referat von Herrn Rasche wurden die Themen Transrapid, 3. Gleis, Y-Trasse sowie die geplante Ertüchtigung der Bahnverbindungen nach Berlin zur Hochgeschwindigkeitstrasse (für die Nordtrasse oder Südtrasse) diskutiert.

Der SPD-Unterbezirksvorstand begrüßte es eingangs ausdrücklich, dass es durch die vereinten Anstrengungen von SPD-Bundestags- und Landtagsabgeordneten sowie der SPD-Kreistagsfraktion gelungen ist, das 3. Gleis zwischen Stelle und Lüneburg zum Bestandteil des Anti-Stau-Programms des Bundesverkehrsministeriums zu machen. Damit kann in absehbarer Zeit die Finanzierung des 360 Millionen-Projekts sichergestellt werden. Der SPD-Unterbezirk würdigte auch die Anstrengungen der SPD-Landtagsabgeordneten Uwe Harden, Brigitte Somfleth und Silva Seeler, die dazu geführt haben, dass das Land die Kosten des Planfeststellungsverfahrens vorfinanzieren wird. Die Anwesenden waren sich einig, dass mit dem 3. Gleis eine entscheidende Voraussetzung für eine Verbesserung des Schienengebundenen Nahverkehrs (SPNV) geschaffen wird. Nach 20 Jahren Stillstand sei dies ein Meilenstein in der Verbesserung des Schienenverkehrs im Landkreis Harburg.

Die Vertreter der DB Netz AG informierten danach über die Pläne der Bahn zur Verbesserung des Schienennetzes. Im Mittelpunkt stand die Strategie "Netz 21". Diese sieht die prinzipielle Trennung des schnellen Verkehrs (Personenfernverkehr) und der langsamen Verkehre (Güterverkehr, SPNV) vor. Durch Abwicklung dieser Verkehr auf unterschiedlichen Trassen kann eine bessere und wirtschaftlichere Nutzung von vorhandenen Schienentrassen erreicht werden, da das Warten auf Überholung, das aus den unterschiedlichen Geschwindigkeiten resultiert, weitgehend entfällt. Entsprechend diesem Konzept würden zwischen den großen Ballungszentren, die als Verkehrsknoten fungierten, jeweils sogenannte langsame und schnelle Trassen festgelegt.

Zwischen Hamburg und Berlin sei die nördliche Verbindung über Büchen als schnelle und die südliche über Uelzen - Stendal als langsame Verbindung vorgesehen. Die Festlegung als "langsame" Trasse bedeute dabei nicht per se eine Verschlechterung des Angebots. Es bedeute nur, dass ICE-Züge und Intercitys auf diesen Trassen nicht verkehren. Der Landkreis Harburg profitiere von seiner Nähe zu Hamburg und ist über die Bahnhöfe Hamburg Hauptbahnhof und Hamburg-Harburg vergleichsweise gut an die Fernverkehrsverbindungen angebunden.

Zwischen Hamburg und Hannover sei die Y-Trasse als schnelle Verbindung und die bestehende Strecke über Lüneburg, Uelzen und Celle als langsame Trasse vorgesehen. Die Y-Trasse würde zusätzliche Kapazitäten zur Verbesserung des Bahnverkehrs schaffen. Dies könne auch Spielräume für den Nahverkehr schaffen. Der Bau des 3. Gleises zwischen Stelle und Lüneburg sei ein Gewinn für den Nahverkehr. Ein Weiterbau des 3. Gleises bis Uelzen käme zwar den Berlinverkehren zugute, könne aber nicht die Y-Trasse ersetzen. Befürchtungen, es könne durch den zusätzlichen Bahnverkehr auf der Bremer Strecke zu Einschränkungen beim Nahverkehr kommen, wiesen die Bahn-Vertreter zurück. Der Streckenteil zwischen Harburg und Buchholz werde zur Zeit von 158 Zügen täglich befahren und habe eine Kapazität von 309 Zügen. Der Streckenteil zwischen Buchholz und Rotenburg sei sogar schon dreigleisig ausgebaut.

Herr Rasche und Herr Bretthauer von der DB Netz AG nahmen auch zum laufenden Raumordnungsverfahren in Sachen Y-Trasse Stellung. Das Verfahren werde Mitte bis Ende 2000 abgeschlossen. In den von der Bahn vorgelegten umfangreichen Unterlagen seien zwar zur Zeit Mängel enthalten; diese seien aber nicht so gravierend, dass sie eine Einstellung des Verfahrens rechtfertigten. Die Bahn halte weiter an dem Verkehrsprojekt "Y-Trasse" fest. Derzeit werde allerdings unter dem Stichwort "2003 +" von der Bahn die Wirtschaftlichkeit aller Neu- und Ausbauprojekte geprüft. In diese Prüfung fließen auch aktuelle Entwicklungen und Prognosen mit ein. Parallel zu dieser bahninternen Wirtschaftlichkeitsberechnung werde derzeit vom Bundesverkehrsministerium eine Prognose der Verkehrsentwicklung erstellt. Diese diene als Basis für die Überarbeitung des Bundesverkehrswegeplans, mit der ca. 2002 / 2003 zu rechnen sei. Im übrigen sei noch nicht die Finanzierung des Verkehrsprojekts gesichert.

Besonders wichtig war den Vertretern der SPD-Ortsvereine die Verbesserung des Nahverkehrs und eine Anbindung des Landkreises an den Fernverkehr, nachdem die Bahn alle Interregio-Halte in Winsen gestrichen hat und Buchholz lediglich einen Halt pro Tag neu anbietet. Die Bahn-Vertreter argumentierten, das Angebot richte sich nach der Nachfrage und dem Verkehrsaufkommen. Ein wichtiger Punkt stelle auch der Lärmschutz dar. Falls die Y-Trasse über Bereiche laufe, die nicht ausgebaut würden, wären gesetzlich auch keine Lärmschutzmaßnahmen vorgeschrieben - trotz Kapazitätserhöhung. Auch das sei für die Bürger des Landkreises Harburg kritisch zu bewerten, meinten die Mitglieder des SPD-Unterbezirksvorstandes Lkr. Harburg.

Die stellvertretende Unterbezirksvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Monika Griefahn dankte nach der lebhaften Diskussion Herrn Rasche, Herrn Bretthauer und Herrn Teuteberg von der DB Netz AG für Ihre kompetenten Informationen zu dem Thema.