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Pressemitteilung 09/2000
Montag, 3. April 2000
 
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Verkehrsprojekt 3. Gleis / Y-Trasse / IC- und Interregio-Halte im Lkr. Harburg;
Lärmsanierung an bestehenden Eisenbahnen des Bundes;
Sanierung der Bahnhöfe Winsen (Luhe) und Buchholz

Monika Griefahn
Mitglied des Deutschen Bundestages
Kultur- und medienpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion
Ministerin a. D.
Monika Griefahn, MdB · BÜRGERBÜRO · Nordertorstr. 12 · 21423 Winsen

An den
Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn Holding AG
Hartmut Mehdorn
Stephensonstr. 1
60326 Frankfurt am Main

Winsen, den 14. Februar 2000

Verkehrsprojekt 3. Gleis / Y-Trasse / IC- und Interregio-Halte im Lkr. Harburg
Lärmsanierung an bestehenden Eisenbahnen des Bundes
Sanierung der Bahnhöfe Winsen (Luhe) und Buchholz

Sehr geehrter Herr Vorstandsvorsitzender Hartmut Mehdorn,

anläßlich eines Treffens mit dem Verkehrsausschuß des Deutschen Bundestages haben Sie die Abgeordneten ausdrücklich aufgefordert, ihre Anliegen an Sie persönlich heranzutragen. Ich möchte heute auf Ihr Angebot zurückkommen und mehrere für meinen Wahlkreis bedeutsame Anliegen vortragen.

Vorweg möchte ich noch anmerken, daß ich die Anstrengungen der Bahn und ihres neuen Vorstandsvorsitzenden zu würdigen weiß, die Bahn auf mehr Serviceangebote und Kundenorientierung zu trimmen.

1. Verkehrsprojekt 3. Gleis zwischen Stelle und Lüneburg
Das aus meiner Sicht wichtigste Verkehrsprojekt im nördlichen Niedersachsen ist der Bau eines 3. Gleises zwischen Stelle und Lüneburg. Dieses Thema habe ich bereits in dem gemeinsamen Schreiben von Dr. Peter Struck, Arne Fuhrmann MdB und Hedi Wegener MdB vom 25. Oktober 1999 angesprochen. Nach dem von mir aus haushaltspolitischen und aus der Sicht der DB AG betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten sehr begrüßten "Aus" für die Transrapid-Strecke Hamburg-Berlin stellt sich die Frage, wie der Nachholbedarf der seit Jahrzehnten vernachlässigten Verkehrsinfrastruktur im Norden befriedigt werden kann. Neben dem von mir sehr unterstützten Ausbau der nördlichen ICE-Trasse Hamburg - Berlin über Wittenberge wird nach dem Ausbau der Strecke Uelzen - Stendal im Rahmen des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit Nr. 3 die südliche Verbindung Hamburg - Winsen - Lüneburg - Uelzen - Stendal - Berlin an Bedeutung gewinnen. Schon jetzt gehört jedoch der Teilabschnitt Hamburg - Uelzen zu den meistbefahrenen Eisenbahnstrecken in Deutschland, weil die Strecke zugleich die bisher einzige Verbindung Hamburg - Hannover ist. Insbesondere im Raum der Metropolregion Hamburg stellen sich hier unlösbare Probleme auch für den Nah- und Fernverkehr, die auch nicht beim Bau der Y-Trasse beseitigt werden, worauf ich noch eingehen werde. Mit dem 3. Gleis kann das von Prof. Schwanhäuser (TU Aachen) entwickelte "Prinzip der versetzten Dreigleisigkeit" verwirklicht und so eine deutliche Kapazitätssteigerung erzielt werden, die dem Nah- und Fernverkehr zugute käme. Für das Projekt läuft derzeit die UVP. Verschiedene Bundestagskollegen und ich bemühen uns derzeit intensiv darum, dieses seit 20 Jahren diskutierte Projekt im überarbeiteten Bundesverkehrswegeplan zu verankern.

Ich möchte Sie daher erneut bitten, das Verkehrsprojekt "3. Gleis" nach Kräften zu unterstützen. Dies liegt auch in der Logik der Stärkung des bestehenden Netzes.

2. Y-Trasse
Bestandteil des gültigen Bundesverkehrswegeplans ist auch die Y-Trasse. Nach der Umweltverträglichkeitsprüfung läuft derzeit das Planfeststellungsverfahren. Vor Ort regt sich sehr großer Widerstand der Betroffenen, die Lärm und eine Zerschneidung der Landschaft befürchten. Insofern stellt sich die Frage, welche Nord-Süd-Verbindung am schnellsten und umweltverträglichsten - das heißt möglichst ohne die Zerschneidung neuer Naturräume - verwirklicht werden kann. Mich würde Ihre Meinung interessieren.

3. IC / Interregio-Halte im Lkr. Harburg
Obwohl der Landkreis Harburg rund 230.000 Einwohner hat und die Bahnstrecken Hamburg - Hannover und Hamburg - Bremen den Landkreis durchqueren, gibt es im ganzen Landkreis keinen einzigen IC oder auch Interregio-Halt. Lediglich in Winsen halten sporadisch ca. 4 -5 Interregio-Züge in jede Richtung pro Tag. Nach meiner Auffassung müßten Buchholz und die Kreisstadt Winsen (Luhe) reguläre Intercity-, bzw. mindestens Interregiohalte werden. Pläne für eine Abschaffung der Interregio-Züge, wie sie vor einiger Zeit diskutiert wurde, halte ich sowohl unter dem Gesichtspunkt einer ausreichenden Staffelung der Produktpalette als auch der Anbindung des "metropolenfernen" Raums an die Oberzentren für verfehlt. Besonders erstaunt hat mich die Tatsache, dass - als ich neulich von Tuttlingen nach Stuttgart gefahren bin - die neuen Neige-ICE sowohl in Tuttlingen als auch in Horb und Rottweil hielten - Orte, die kleiner sind als Buchholz und Winsen.

4. Lärmsanierung an bestehenden Eisenbahnen des Bundes
Das Bundesverkehrsministerium hat zusammen mit der DB Netz AG eine Liste der dringlichsten Härtefälle aufgestellt. Leider wurde kein einziger Streckenabschnitt im Lkr. Harburg berücksichtigt (z.B. Buchholz, Jesteburg, Stelle, Maschen), obwohl sich neben mir auch mehrere Gemeinden aus dem Kreisgebiet an die Bahn und das Ministerium gewandt haben. Ich bin mir aber der Tatsache bewußt, daß bei einem jährlichen Volumen von rund 100 Millionen DM und einem geschätzten Finanzbedarf von rund 4,2 Milliarden DM keine großen Sprünge zu machen sind und die "Altlasten" bzw. der Investitionsrückstau nicht so schnell zu beseitigen ist. Dennoch bitte ich um schnelle Berücksichtigung auch hier im Norden.

5. Sanierung der Bahnhöfe Winsen (Luhe) und Buchholz
Bezüglich der Bahnhöfe Winsen (Luhe) und Buchholz habe ich mich schon an Ihren Vorgänger Dr. Johannes Ludewig gewandt. Nach jahrelanger Untätigkeit sieht es so aus, als würde in Winsen noch in diesem Jahr eine umfassende Sanierung begonnen werden. Für Buchholz, den verkommenen Bahnhof der einwohnerstärksten Stadt im Landkreis Harburg mit rund 35.000 Einwohnern und einem Einzugsbereich von geschätzt 70.000 - 80.000 Einwohner, ist wohl kein Geld da. Ich kann nur hoffen, daß nach der EXPO 2000 auch der ländliche Raum wieder etwas mehr in das Blickfeld gerät.

In der Vergangenheit wurde auch immer wieder die fehlende Behindertengerechtigkeit der Bahnhöfe beklagt. Auch dieses Problem ist nicht von heute auf morgen zu lösen. Aufgrund starken (Medien-) Drucks seitens einer örtlichen Behinderteninitiative ist es aber gelungen, zumindest auf dem Bahnhof Winsen einen mobilen Hublift zu stationieren, der gemeinsam mit dem Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband betrieben wird. An dieser Stelle hat die Bahn auch einmal ein Lob verdient, auch wenn es im Vorfeld (Drehverbote für Kamerateams) einige Turbulenzen gegeben hat.

6. [...]

Ich würde mich freuen, wenn Sie die eine oder andere Anregung - insbesondere zum 3. Gleis zwischen Stelle und Lüneburg [...] - aufnehmen könnten, und wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer anspruchsvollen Aufgabe.

Mit freundlichen Grüßen

 
Diese Pressemitteilung finden Sie auf: www.monika-griefahn.de