Arbeit in Berlin
Auswärtiger Ausschuss
Ebenfalls seit 1998 bin ich zunächst ordentliches
und seit 2000 - nach der Übernahme des Vorsitzes des Kulturausschusses
- stellvertretendes Mitglied des Auswärtigen Ausschusses. Dort bin
ich zuständig für alle Themen der Auswärtigen Kulturpolitik, der
deutsch-französischen Beziehungen und der Internationalen Umweltpolitik.
Diese Themen vertrete ich für die SPD-Fraktion im Ausschuss. Von
1998 bis 1999 war ich auch Sprecherin der SPD-Fraktion für die Arbeitsgruppe
Vereinte Nationen.
Ich habe Anträge zur internationalen Umweltpolitik
initiiert, die große Zustimmung in den Regierungsfraktionen fanden.
So habe ich einen Antrag eingebracht, der sich gegen den Bau zweier
Atomkraftwerke (K2/R4) als Ersatz für das Kraftwerk Tschernobyl
in der Ukraine wandte, der mit Hermes-Bürgschaften der Regierung
unterstützt werden sollte. Es bestand die Gefahr, dass hier veraltete
sowjetische Technik eingebaut werden sollte. Stattdessen forderte
ich den Bau moderner Gaskraftwerke sowie eines Energieeinsparungsprogrammes,
die dem Bedarf in der Ukraine viel besser gedient hätten.
Im Jahr 2001 initiierte ich einen Antrag zur Minimierung
der Gesundheitsgefahren beim Abbau von Gold. Die bis heute verwendete
Abbauweise unter Verwendung des hochgiftigen Zyanid ist nicht weiter
vertretbar, wie die vielen Unfälle zeigen. Diese haben verheerende
Folgen für Menschen und Umwelt. Im Jahre 2002 arbeitete ich mit
an einem übergreifenden Antrag zum Weltgipfel in Johannesburg.
Der Auswärtige Ausschuss ist einer der großen Ausschüsse
im Bundestag, der Bedeutung des Themas angemessen. Vor allen Dingen
in der letzten Zeit gab es dort hitzige Debatten um den Einsatz
der Bundeswehr im Kosovo und in Mazedonien und nun in Afghanistan
bzw. um den Einsatz im Rahmen der Anti-Terror-Koalition der NATO.
Dieser Ausschuss hat oft Besuch von hochrangigen Vertretern internationaler
Organisationen und Regierungen aus aller Welt. Mit diesen Vertretern
wird die aktuelle Weltpolitik debattiert, und der Ausschuss läßt
sich von ihnen über die unterschiedlichsten Themen unterrichten,
wie kürzlich durch Russlands Präsident Putin oder den US-Präsidenten
Bush. Frau Putin hatte während des Besuches des Präsidentenpaares
einen kleinen Kreis von zwölf Frauen aus der gesamten Bundesrepublik
eingeladen, den ich zusammen mit Jelena Hoffmann (unserer Abgeordneten
russischer Herkunft) besuchen durfte.
Politik unterwegs: Reisen und Veranstaltungen
Meine Tätigkeit in Berlin erfordert auch einige
Reisen in Deutschland und ins Ausland. Oft bin ich entweder als
Vorsitzende des Kulturausschusses oder als Vertreterin der Bundestagsfraktion
eingeladen. Als ordentliches Mitglied der OSZE-Parlamentarierdelegation
sowie der IPU-Delegation (Interparlamentarische Union) des Bundestages
vertrete ich die Kultur- und Bildungspolitik der SPD-Fraktion in
diesen Gremien. So habe ich im Jahr 2000 einen Antrag zum "Dialog
der Kulturen" auf der IPU-Versammlung mitinitiiert. Im April 2001
habe ich in diesem Gremium einen Antrag zur Teilnahme aller gesellschaftlichen
Gruppen an Bildung und Politik sowie zur Situation der Frauen in
Afghanistan eingebracht. Dieser Antrag ist von der Versammlung einstimmig
angenommen worden. Die Jahresversammlung der OSZE fand 2002 in Berlin
statt. Für die deutsche Delegation war ich Mitglied des Vorbereitungskomitees
und bin inzwischen auch stellvertretende Vorsitzende des OSZE-Ausschusses
für Wirtschaft und Umwelt.
Ich bin zu den unterschiedlichsten Themen als Kulturpolitikerin
auf Podien, in Workshops und als Rednerin gefragt. Der Kulturausschuss
unternimmt pro Jahr 2-3 Reisen zu verschiedenen Themen. So fördern
wir den Dialog der Kulturen, indem Ausschussdelegationen nach Indien,
Nepal, in den Iran, nach Ägypten, Jordanien, Syrien, Israel und
in die palästinensischen Autonomiegebiete gereist sind. Mit dem
Iran versuchen wir, diesen Austausch mit den demokratisch gewählten
Parlamentarierinnen und Parlamentariern zu vertiefen. Auf dieser
Ebene finden auch viele Gegenbesuche statt, so dass ein Dialog in
Gang gekommen ist.
Auf einer Reise nach Russland, haben wir uns über
den Stand der Verhandlungen in der Frage der "kriegsbedingt
verbrachten Kulturgüter" (Beutekunst) unterrichtet und
einen verstärkten Jugend- und Städteaustausch angeregt.
Ich besuche viele Veranstaltungen in Berlin und
im Rest der Republik, die sich mit allen Themen der Kulturpolitik
im Ausschuss beschäftigen. Bei vielen Veranstaltungen bin ich persönlich
gefragt, um eine Rede zu halten, an Diskussionen teilzunehmen oder
zu moderieren. Daneben habe ich mit meinem Berliner Büro eine lockere
Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen, die sich mit der Verbindung
von Kunst und Neuen Medien, insbesondere dem Internet, befasst.
Dieser "Medienpolitische Salon" will zeigen, wie klassische Formen
der Kultur sich mit den Neuen Medien auseinandersetzen und sie für
ihre Zwecke nutzen. Der erste Salon befasste sich mit Theater und
Internet und hat ein großes Hamlet-Projekt des Schauspielers Herbert
Fritsch aus Berlin vorgestellt.
Alle diese Reisen und Veranstaltungen dienen nicht
zuletzt dem Dialog zwischen Kultur und Politik, der in einigen Bereichen
noch durchaus verbesserungswürdig ist. Wir wissen bei diesem Vorhaben
die Künstler auf unserer Seite, was der Politik sicher nicht schaden
kann. Es hat sich zum Beispiel bei unserer Reise nach Asien und
in den Iran gezeigt, dass allein die Tatsache, dass eine Delegation
des deutschen Bundestages, die sich auch noch mit Kulturpolitik
beschäftigt, die Länder bereiste, dort starke Beachtung gefunden
hat. Es waren immer noch die Kultur und Kulturpolitik, die verfolgten
Künstlern aller Sparten Schutz bieten konnten. Hier ist besonders
die Arbeit der Goetheinstitute, vor allem im Iran, hervorzuheben.