Nachhaltigkeit ist ein wichtiger,
wenn nicht der wichtigste Ansatz zur Gestaltung der Globalisierung.
Dafür muss aber die Europäische Union dieses Konzept mit der notwendigen
Konsequenz verfolgen. Auf eine derartige Alternative gegen den heutigen
Unilateralismus hoffen viele Entwicklungs- und Schwellenländer,
wie sich bei internationalen Verhandlungen, besonders bei den UN-Konferenzen
zum Klimaschutz, immer deutlicher zeigt.
Zum Testfall, ob eine nachhaltige
Entwicklung als Modell für die Globalisierung taugt, wird der weitere
Integrations- und Erweiterungsprozess der Europäischen Gemeinschaft
werden. Wenn es gelingt, die Integration zu vertiefen und mit der
Erweiterung auch die Unterschiede und Ungleichheiten zwischen und
in den Mitgliedsstaaten zu verringern, zugleich aber die Vielfalt
der europäischen Kulturen zu bewahren und die menschliche Kreativität
für mehr Wirtschafts- und Lebensqualität zu nutzen, dann kann dieser
Einigungsprozess zum Vorbild für die Ausgestaltung der Weltgesellschaft
werden.
Ein erster strategischer Reformschritt
wäre in der Europäischen Union ein Bündnis von Arbeit und Umwelt,
um einerseits die Ressourcenabhängigkeit und Umweltzerstörung drastisch
zu verringern und andererseits zu einer höheren Produktivität beim
Einsatz von Energie und Rohstoffen zu kommen, die bisher weit hinter
den Möglichkeiten zurückbleibt. Damit können zwei zentrale Fundamente
des europäischen Sozialmodells - Erwerbsarbeit und Sozialsysteme
- stabilisiert und mit dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen
verbunden werden.
Soviel zur allgemeinen politischen
Lage in der Nachhaltigkeitspolitik auf europäischer und globaler
Ebene. Was aber bedeutet es nun konkret hier in Deutschland, wenn
wir Nachhaltigkeit als Brücke in die Zukunft betrachten?
Am 17. April 2002 hat das Bundeskabinett
die "Nationale Nachhaltigkeitsstrategie" verabschiedet. Diese Strategie
ist der deutsche Beitrag für den Erdgipfel in Johannesburg im August
und September diesen Jahres. Hier sollen 10 Jahre nach Rio konkrete
Handlungspläne erarbeitet werden. Die zentrale Frage dort wird lauten:
"Wer tut was und auf welchem Gebiet?". So sah es Bundesumweltminister
JürgenTrittin.