Nun haben wir in den letzten Jahren
eher akademisch über den Begriff der Nachhaltigkeit diskutiert und
damit weite Teile der Bevölkerung außen vor gelassen. Die Bundesregierung
hat schon in ihrer Koalitionsvereinbarung von 1998 beschlossen,
auf diesem Gebiet Abhilfe zu schaffen. Es wurden ein "Rat für nachhaltige
Entwicklung" sowie das sog. Grüne Kabinett unter Leitung von Staatsminister
Bury eingerichtet. Der Rat hat Dialogforen eingerichtet, an denen
sich alle Bürger schriftlich oder per Internet an der Entwicklung
der Nachhaltigkeitsstrategie beteiligen konnten. Und auch nach der
Verabschiedung gibt es weitere Dialoge, die sich nun um die Durchführung
und Überprüfung der Strategie drehen.
Mit diesen Maßnahmen ist ein großer
Schritt in Richtung einer gesellschaftlichen Verankerung des Konzeptes
der Nachhaltigkeit gemacht worden. Das ist Grundvoraussetzung für
die konkreten Maßnahmen. Wir haben auf diesem Gebiet nun schon einiges
vorzuweisen, es reicht aber bei weitem noch nicht aus.
Sehr problematisch ist unser aktuelles
Modell von Mobilität und Verkehr. Die grenzenlose Mobilität auf
der Straße und im Luftraum schlägt langsam um in eine Immobilität:
Staus und Warteschleifen. Diese Mobilität ist nicht nur umweltschädigend,
sie funktioniert auch immer weniger.
Der Klimawechsel hat sein erstes
Opfer unter den Staaten gefunden: der Inselstaat Tuvalu muss aufgegeben
werden, weil er im Pazifik versinkt.
Diese Beispiele zeigen deutlich:
wir müssen praktisch werden. Das ist die nationale und internationale
Herausforderung in der Nachhaltigkeitspolitik. Gerade in der Verkehrspolitik
ist viel zu leisten, sonst kommen wir nie von den hohen CO2-Ausstössen
weg. D.h., wir brauchen intelligente Verkehrssysteme wie in der
brasilianischen Stadt Curitiba. Dort, einem Mekka für Verkehrsplaner,
gibt es ein nicht-subventioniertes Stadtbussystem, das sich rechnet
und die Leute vom Auto wegbringt. Von solchen Modellen müssen wir
lernen.